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Durch die Augen des Künstlers

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Annäherungen an die Zeitgenössische Bilderbuchkunst Chen Jianghongs Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Dicht gedrängt sitzen Große und Kleine an den Seminartischen des Konfuzius-Instituts in Leipzig und lauschen dem chinesischen und in Paris lebenden Künstler Chen Jianghong. Wie in einem frontal organisierten Klassenzimmer steht der Meister an der Tafel, malt vor seinen aufmerksamen Zuhörern und Zuschauern und gibt auf diese Weise Bildvorlagen, die die Kinder und Erwachsenen mit großer Ausdauer und Ernsthaftigkeit nachmalen. Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich vorbehaltlos auf den Workshop einlassen, erstaunt im ersten Moment, denn nicht die eigenen Themen der »Schülerinnen« und »Schüler« stehen im Vordergrund, sondern die des Künstlers, nicht der individuelle Pinselstrich wird vom Künstler unterstützt sondern die traditionelle Arbeitsweise der chinesischen Malerei und nicht das Tempo der Lernenden bestimmt den Prozess, sondern der Rhythmus Chens. Warum sich Kinder wie Erwachsene auf diese stark geführte Vermittlungssituation einlassen, dem geht Kirsten Winderlich nach. Zur Bilderbuchkunst Chen Jianghongs Chen Jianghong ist ein Künstler, der in den Zeiten der Kulturrevolution in China aufgewachsen ist und eine Ausbildung in der traditionellen chinesischen Malerei absolviert hat. Seit ein paar Jahren fallen seine Bilderbücher auf, hinter denen er überwiegend für Text und Bild gleichermaßen als Autor steht. Seine Geschichten werden […]
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Formenspiel und Szenenwechsel

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Das Bilderbuch »Das runde Rot« von Katja Kamm als Erzählanlass zwischen räumlicher Intervention und eigensinniger Story Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Im Mittelpunkt des Bilderbuches steht ein roter Kreis. Dieser verwandelt sich ständig und behält dabei seine Gestalt, Farbe und Größe doch immer bei. Geht das überhaupt? Und kann ein derartiges Bilderbuch für Grundschulkinder spannend sein? Es kann! Für die Kinder einer Potsdamer Grundschule war die Auseinandersetzung mit dem Bilderbuch sogar wie ein Krimi. Das Bilderbuch vom runden Rot erzählte den Kindern in Bildern und ohne Worte eine Vielfalt von teilweise bizarren Geschichten, die sie zum Nachsinnen, Fragen und Erzählen anregten, sie wundern und phantasieren ließen, die sie teilweise amüsierten und zum Lachen brachten, an einigen Stellen sogar laute Empörung hervorriefen. Wie auch immer — das Bilderbuch riss die Kinder in unserer Bilderbuchwerkstatt derart mit, dass sie mit großem Elan ausprobierten, wie das denn wäre, mit Hilfe eines fremden Dings in die Umwelt einzugreifen. Eine Vielzahl roter Vierecke half ihnen dabei. Wie die Kinder durch ihre Auseinandersetzung mit dem Bilderbuch und in einer Art Parallelaktion mit Hilfe eines roten Vierecks in ihren Schulraum eingriffen und aus diesen Interventionen heraus eigensinnige Stories schufen, beschreibt im folgenden Kirsten Winderlich. Das Buch […]
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Farbe, die die Welt verändert

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Vom Blick zwischen Alltagsräumen und Traumwelten Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Das Bilderbuch »Das Meer ist riesengroß« von Inge Fasan und Linda Wolfsgruber erzählt von einem großen Traum und vermittelt diesen durch eine in dem Bilderbuch alles bestimmende Farbe. Die Bilderbuchgeschichte ist wie eine Rückblende eines Erwachsenen zu verstehen, der seinen Traum, einmal das Meer zu sehen, bis in seine Kindheit zurückverfolgt. Was die Kinder einer Potsdamer Grundschulklasse mit diesem Bilderbuch anfangen und wie sie sich von seiner spezifischen Ästhetik zu eigenen ästhetischen und künstlerischen Farb-Forschungen anregen lassen, beschreibt Kirsten Winderlich. Die Geschichte aus der Perspektive der Kinder Nachdem die Kinder das Bilderbuch gemeinsam mit ihrer Lehrerin Susanne Anders betrachtet und gelesen haben, stellen sie es mir und den Studierenden vor und beschreiben ihre Assoziationen. Diese sind die Grundlage für die späteren Farbforschungen und Bilder. Der folgende Ausschnitt des Gesprächs gibt einen Einblick. Susanne Anders: Erzählt mal, woran ihr euch erinnern könnt, worum es in diesem Bilderbuch geht. Lina: Also da ist so ein Junge, und der will gern ans Meer fahren, und dann geht seine Mutter immer mit ihm auf so einen Hügel und sagt immer: Stell dir vor, das Meer ist riesengroß und wenn du die Augen […]
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Buchstaben versenken

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Performative Zugänge zu Chris van Allsburgs Bilderbuch »Das Z zerplatzt« Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Kaum zu glauben, aber es gibt sie wirklich! Es gibt Bilderbücher, die sich ausgesprochen redlich um die Vermittlung des Alphabets bemühen und trotzdem spannende Geschichten erzählen — bis zur letzten Seite. »Das Z zerplatzt« von Chris van Allsburg ist so ein Bilderbuch, das jeden einzelnen Buchstaben aufführt, aber auf keiner Seite Spannung, Überraschung und Witz einbüßt. Vielmehr geht es richtig dramatisch zu, werden Buchstaben entwurzelt, aufgeweicht, gehobelt, gebissen und geklaut. Wohin dieses Spektakel in der Bilderbuchwerkstatt der Evangelischen Grundschule Potsdam führte, berichtet Kirsten Winderlich. Chris van Allsburg hat für jeden einzelnen Buchstaben einen eigenen Auftritt vorgesehen. Durch ein guckkastenähnliches Arrangement in Schwarz-Weiß auf Abstand gehalten, werden wir als Betrachter gleich auf der ersten Seite Zeuge, wie ein Steinschlag auf das A prasselt. »Aufs A ein Anschlag — so fängt’s an« heißt es auf der folgenden Seite. Rechts daneben ist das B dran, schon fast bis zur Hälfte von einer Hundeschnauze weggebissen. »Der Biss ins B — wer hat’s getan?« wird auf der nächsten Seite gefragt, während das C, umhüllt von Spänen, die Bühne betritt. Dass das C in Moll singt, erfahren wir auf der […]
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Am Rand der Papierwelt

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Ästhetisch-forschende Zugänge zu Kveta Pacovskás Bilderbuch »Rotrothorn« Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Wenn nach dem Betrachten eines Bilderbuches plötzlich ein Tier in der Bibliothek steht, das von den Kindern mit großer Leidenschaft verwandelt wird, dann kann man wahrlich davon ausgehen, dass dieses Bilderbuch die Kinder in das Reich der Phantasie entführt hat. Bei dem Bilderbuch »Rotrothorn« von Kveta Pacovská handelt es sich um ein derartiges Buch oder vielmehr um ein Objekt, das darüber hinaus auf ganz eigensinnige Weise anregt, es zu erforschen. Wie die sechs-bis neunjährigen Kinder einer Potsdamer Grundschule über das Betrachten des Bilderbuches von Kveta Pacovská in Farbe, Form und Figur eintauchen, beschreibt im folgenden Kirsten Winderlich. Die Geschichte An einem Sonntag malt ein Kritzelmännchen ein Fabelwesen, nennt es Rotrothorn und bittet es, sein Freund zu sein. Am nächsten Tag formt es ein weiteres Wesen, mit Löchern perforiert. Der Name Lochlochlocher lässt nur unschwer erahnen, auf welche Weise es entstanden ist. Auch der Lochlochlocher wird gebeten, ein Freund zu sein. Und so geht es weiter. Tag für Tag. Die ganze Woche entstehen Rhinos und gehörnte Wesen, mal rosafarben, mal schwarz, mal gestreift und dann kariert. Ein Kubus-Rhino wird gebaut und ein Mitternachtshorn, das mit seinem aufgerissenen Maul […]
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Bilderbücher entdecken und erforschen — Wenn das Buch ein Spiel wäre…

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Text: Kirsten Winderlich Fotos: Nick Ash Zeitgenössische Bilderbücher bieten Kindern vielfältige Bildungsmöglichkeiten, wenngleich viele Erwachsene diesbezüglich eher Vorbehalte haben: Sind diese Bücher überhaupt noch etwas für die Kinder? Haben sie nicht zu wenig Text? Solche und ähnliche Fragen sind angesichts Zeitgenössischer Bilderbücher immer wieder zu hören — bemerkenswerter Weise, obwohl es kaum Rezeptionsforschung im Kontext des Zeitgenössischen Bilderbuches gibt, das heißt derartige Sorgen der Erwachsenen nicht wissenschaftlich belegt sind. Aus diesem Grund starten Susanne Anders, Lehrerin einer jahrgangsübergreifenden Klasse der Evangelischen Grundschule Potsdam, die Kinder der (Schulklassen) Silberdelfine und Geparden, Kirsten Winderlich und der Fotograf Nick den Versuch, die subjektiven Sichtweisen von Grundschulkindern auf das Zeitgenössische Bilderbuch zu inszenieren und in Bild und Text zum Ausdruck kommen zu lassen. Denn, so Susanne Anders: »Bilderbücher bieten etwas anderes und vor allem sind sie überraschend. Manchmal sind sie riesengroß, mal winzig klein. Einige kommen ohne Schrift aus, andere schreiben ihre Sätze im Kreis. Dazu kommen die Bilder, gemalte, fotografierte, gekleckste, gezeichnete, schöne und hässliche. Das ist eine ästhetische Herausforderung.« Die Reihe dieser neuen Bilderbuchwerkstatt beginnt mit Büchern über Tiere, Eier, Sterne, Maschinen, mit Büchern, die vom Entdecken und Erforschen erzählen — und zwar auf eine Weise, die zwischen den Seiten Welten wachsen […]
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Alltagserleben – Stimmen im Park

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Text: Kirsten Winderlich Das Bilderbuch „Stimmen im Park“ von Anthony Browne zeigt uns, wie ein gemeinsamer Alltag von unterschiedlichen Personen individuell erlebt werden kann und schärft den eigenen Blick für eine Vielfalt an Sicht­weisen durch eine surreale Bildsprache. Darüber hinaus werden die individuellen Perspektiven der Protagonisten auf der Bildebene einer Jahreszeit zugeordnet und damit die individuell erlebte Stimmung vermittelt. Anregungen für eine erweiterte ästhetische Rezeption des Bilderbuches Impuls — Foto-Tagebücher eines Schultages (Jahrgangsstufe 5 und 6) Die Kinder werden aufgefordert, zu bestimmten Uhrzeiten ein Foto des gemeinsamen Schulalltages zu machen. Die Fotos werden so präsentiert, dass sowohl der gemeinsame Zeitpunkt wie auch die Unterschiede deutlich werden. – Was hast du fotografiert? – Kannst du erzählen, warum du gerade dieses Foto gemacht hast? Die Kinder werden angeregt, Fotokopien der Fotos unter Berücksichtigung der assoziierten Jahreszeit weiterzubearbeiten. – Zeichne in das Bild (die Fotokopie) und mache die Jahreszeit deutlich! – An welche Jahreszeit erinnert dich dein Foto? An den Sommer, den Herbst, den Winter oder den Frühling? – möglicher weiterer Impuls: Schaue dir noch einmal die Bilder von Anthony Browne an. Wie hat der Künstler in seinen Bildern die Jahreszeiten vermittelt? Erfahrungsraum: Einfühlung in das Fühlen, Erleben und Handeln anderer Material: Fotos; […]
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Jemandem folgen – Das ist ein Geheimnis

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Text: Kirsten Winderlich Unabhängig davon, wo Kinder herkommen und wie diese leben, gehören Geheimnisse zu ihnen wie verborgene Orte und Verstecke. Nicht selten sind sie auf der Suche nach ihnen. John Burningham lädt uns in seinem Buch „Das ist ein Geheimnis“ ein teilzuhaben, wie ein Mädchen in einer Nacht seinem Kater folgt, sich auf eine Reise zu einem geheimen Ort und Ereignis begibt und sich damit einen Zugang zur Welt durch die Augen des anderen ermöglicht. Anregungen für eine erweiterte ästhetische Rezeption des Bilderbuches Impuls — Nachts (Jahrgangsstufe 3 und 4) Den Kindern wird vorgeschlagen sich vorzustellen, welche anderen nachtaktiven Tiere es gibt, was beispielsweise der Fuchs, der Igel oder die Eule in der Nacht tun. Unterstützend könnten Tierlexika bereitgestellt werden. Die Kinder werden darüber hinaus angeregt, mit Ölkreiden drei Bilder zu malen, die besondere Stationen dieser Reise zeigen. Als Inspiration könnten noch einmal Bilder John Burninghams gezeigt werden. – Kannst du dir vorstellen, was andere Tiere, wie zum Beispiel der Fuchs, der Igel oder die Eule in der Nacht tun? – Hast du eine Idee, welche Wege sie nehmen und wen sie unterwegs treffen? – Schau dir noch einmal die Nacht-Bilder von John Burningham an. Wenn du ein Bild […]
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Warten – Wann kommt Mama?

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Text: Kirsten Winderlich Anregungen für eine erweiterte ästhetische Rezeption des Bilderbuches Impuls — Fensterbild-Erzählungen (Jahrgangsstufe 3 bis 5) Die Kinder werden angeregt, Bilder von einer Situation, in der sie auf jemanden gewartet haben, zu zeichnen (transparentes Zeichen- und Entwurfspapier, Pastellkreiden). – Habt ihr schon einmal auf eure Eltern warten müssen? – Wann war das? Wo war das? – Mache ein Bild davon, wie du gewartet hast? Nacheinander werden die Bilder an einem Fenster befestigt. Die Kinder werden gebeten, ihr jeweiliges Bild zu betrachten und über ihr Erlebnis des Wartens zu erzählen. Der gleichzeitige Blick aus dem Fenster kann dabei die Erinnerung unterstützen sowie Assoziationen hervorlocken. Erfahrungsraum: Erinnerungsbilder initiieren Imaginieren und Erzählen Material: in Zeichnungen und Malerei transformierte Erinnerungen; Pastellkreide Raum: Raumgrenze Innen und Außen, Fenster (Sprach)Handlung: an eine Überlagerung von Bild und Fensterblick gebundenes Erinnern, Assoziieren und Erzählen Bilderbuch: Tae-Jun, L./Dong-Seong, K. (Ill.): Wann kommt Mama? NordSüd Verlag (Reihe Baobab), Zürich 2007
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Dinge, die die Welt verändern – Der Kannenhut, der steht dir gut!

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Text: Kirsten Winderlich Dass die Welt nicht nur wahrgenommen, sondern auch gestaltet werden kann, erfahren Kinder schon sehr früh über das Spiel mit den Dingen. Jede und jeder von uns kann sich wahrscheinlich sehr gut daran erinnern, wie sich ein Kochtopf, platziert auf dem eigenen Kopf, kurzerhand in einen Hut verwandelte. In dem Bilderbuch „Der Kannenhut steht dir gut!“ erzählt Marie Dorléans in Bild und Text, wie durch diesen verfremdenden Umgang mit vertrauten Alltagsgegenständen das Gewohnte in Frage gestellt und gleichzeitig auf diese Weise wieder verfügbar wird. Der nicht gewohnte Umgang mit den Dingen wird in den colorierten Zeichnungen durch die Farbigkeit betont und damit die Aufmerksamkeit auf die gewohnten Alltagsdinge gerichtet. Durch das Spiel mit den Dingen wird ein Sprachspiel initiiert: Wortschöpfungen entstehen, die sich zwischen Nonsenswörtern und Worterfindungen bewegen. Die Reime regen das Spiel mit den Dingen und damit auch das Sprachspiel an. Anregungen für eine erweiterte ästhetische Rezeption des Bilderbuches Impuls — Verrückte Dinge (Jahrgangsstufe 1 bis 3) Im Klassenraum wird von den Lehrkräften ein Arrangement aus Alltagsgegenständen in Anlehnung an die thematisierten Gegenstände des Bilderbuches vorbereitet. Die Kinder werden angeregt, die Gegenstände zu benennen. Impulsfragen helfen ins Spiel zu kommen und sich vorzustellen, wie sich bekannte […]
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