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Han Gan und das Wunderpferd

Text: Kirsten Winderlich Wer vermag das Gemeinsame zwischen den Kulturen besser zu beschreiben, als diejenigen, die sich zwischen den Kulturen bewegen? Chen Jianghong wuchs in China auf und studierte Kunst in Tinajin und Beijing. Seit 1987 lebte er als freischaffender Künstler in Paris und hat seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt seit einigen Jahren in Berlin. Die Erfahrung unterschiedlicher Kulturen macht sich in seinen Bilderbuchillustrationen bemerkbar, für die er meist traditionelle Tuschtechniken verwendet, sie aber häufig mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeitsweisen verknüpft. Bemerkenswert an seinen Bilderbüchern ist, dass seine Geschichten ihren Ausgangspunkt häufig in alten Kunstwerken finden. So auch in der Geschichte „Han Gan und das Wunderpferd“. Chen Jianghong geht von einem Meisterwerk des Malers Han Gan aus, der vor mehr als 1.200 Jahren in China lebte und für seine Pferdedarstellungen berühmt war. Das Werk „Pferde und Reitknechte“ in Tusche und Farbe auf Seide ist im Museum Cernuschi in Paris zu sehen. An dieses Gemälde anknüpfend, erzählt Chen Jianghong eine ganz eigene Geschichte Han Gans und malt diese wie der Altmeister auf Seide. Chen Jianghong beschreibt Han Gan in seinem Bilderbuch als Künstler, der schon als Kind am liebsten zeichnete. Pferde faszinierten ihn. Nicht müde werdend, stellte er sie immer wieder in ihrer […]
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Wann kommt Mama?

Text: Kirsten Winderlich Kinder sind abhängig von Erwachsenen, insbesondere in den frühen Jahren. Diese Abhängigkeit zeigt sich auch in dem Bilderbuch Eomma Majung „Wann kommt Mama?“, dessen Text von Lee Tae-Jun zum ersten Mal 1938 in einer Zeit der japanischen Besetzung Koreas und großer Armut in einer koreanischen Zeitschrift erschien. Ein Kind wartet auf seine Mutter – ein Mythos. 2007 erschien das von dem Koreaner Kim Dong Seong illustrierte Buch in der Baobab-Reihe des Nord Süd Verlags und wurde 2008 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Dass sich der Künstler in seiner Bildästhetik an die Zeit der 1940er Jahre in Korea anlehnt, täuscht nicht über die hohe Aktualität der Geschichte hinweg, sondern unterstreicht vielmehr die anthropologische Bedeutung für das Fühlen junger Kinder, deren Bezugspersonen abwesend sind. Das Bilderbuch erzählt in koreanischer und deutscher Sprache, wie ein kleines Kind an einer Straßenbahnhaltestelle steht und auf seine Mutter wartet. Die Zeit muss ihm wie eine Ewigkeit vorkommen. Eine Straßenbahn nach der anderen hält an der Station. Immer wieder fragt das Kind nach seiner Mutter. Immer wieder wird es abgewiesen. „Ich kenne deine Mama nicht!“ Mit diesen oder ähnlichen Worten antworten die Schaffner auf die Frage des Kindes, läuten zur Abfahrt und fahren davon. […]
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