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Ein Workshop zum Bilderbuch »Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough«

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Zu Gast in der Grundschule der Künste:
Das Internationale Literaturfestival Berlin und Rébecca Dautremer

Text: Kirsten Winderlich
Fotos: Elisa Bauer

Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals 2021 waren Kinder einer 4. Klasse der Grundschule am Arkonaplatz sowie die Bilderbuchkünstlerin Rébecca Dautremer zu Gast in der Grundschule der Künste. Das Bilderbuch »Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough«, das eindrucksvolle Perspektiven auf das Leben des Hasen Jacominus eröffnet, stand dabei im Zentrum des von Kirsten Winderlich gemeinsam mit Studierenden konzipierten Workshops.

Die Kinder liegen auf dem Boden der Bilderbuchwerkstatt. Wie ist es, auf der Welt zu sein? Was bedeutet es, das Leben zu leben? Und wie lässt sich ein Leben in Bildern erzählen? Gemeinsam mit den angehenden Kunstlehrer*innen suchen die Kinder in den Bildszenen, Porträts und Bildersammlungen, die Rébecca Dautremer kunstvoll zur Lebensgeschichte des Jacominus verknüpft hat, nach Antworten. Die Bilderbuchwerkstatt, die von Olafur Eliasson für die Grundschule der Künste als »Raum für Bildung und Bilder« gestaltet wurde, ist ein idealer Ort für ein forschendes Lernen in und mit Bilderbüchern. Durch seine bewegte Topographie und waldähnliche Stimmung lädt er ein, in die vielfältigen Bilderwelten der Bücher einzutauchen. Aber auch an zwei weiteren Orten in der Grundschule der Künste werden die Bilder Dautremers erforscht. Die Orte sind dabei im Rahmen eines Kunstdidaktik-Seminars eigens für die Rezeption des Bilderbuches gestaltet worden und bringen deren spezifischen Ästhetiken zum Erscheinen. So werden die Kinder zum Beispiel in einem Raum mit der Projektion einer doppelseitigen Bildszene konfrontiert, die an Pieter Bruegels »Kinderspiele« erinnert. Eine Installation von Dingen und Spielobjekten regt zu performativer Erkundung an. Wie verändert sich das Bild, wenn die Dinge und Objekte als Schattenbilder in Szene gesetzt werden? Möglichkeiten werden erprobt, reflektiert, verworfen, erweitert und nochmals durchgespielt, und die Entdeckungen über Text und Bild im eigenen Forschungsbuch festgehalten. Was erzählen die Bilder über den Protagonisten? Wer war Jacominus Gainsborough? Wie verändert sich sein Fühlen und Denken im Laufe seines Lebens? Diesen Fragen widmen sich die Kinder im Atelier. Im Mittelpunkt stehen dabei die neun Porträts Jacominus, die Dautremer punktuell in die Erzählung flicht. Eine Zusammenstellung der Porträts als Fries außerhalb des Buches ermöglicht, Veränderungen in Jacominus Zugängen zur Welt nachzuspüren. Aufgedruckt auf übergroßen Shirts, werden die Kinder eingeladen, in die Figur Jacominus zu »schlüpfen« und sich in ihn einzufühlen. Nach drei ereignisreichen Stunden sind die Forschungsbücher gefüllt mit Texten und Zeichnungen. Und dann ist es soweit. Die Kinder erhalten die großartige Gelegenheit mit der Bilderbuchkünstlerin ins Gespräch zu kommen. Ein intensiver Austausch auf Augenhöhe beginnt, in dem die Künstlerin den Kindern von der Künstlerin mit besonderer Wertschätzung begegnet. Schnell wird deutlich, dass die Kinder genau wissen, worüber sie sprechen. Sie sind zu Expert*innen des Buches geworden, werden ihre Fragen, und vor allen Dingen ihre Nachfragen, doch getragen von intensiven Bilderfahrungen.

Zum Bilderbuch:
https://bilderbuchkunst.de/portfolio/das-leben-leben/