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Esthers Tagebücher

Aus dem Leben einer Dreizehnjährigen Text: Kirsten Winderlich Fotos: Elisa Bauer Mit „Esthers Tagebücher“ veröffentlichte Riad Sattouf eine Reihe von Graphic Novels und erobert damit nicht nur die Herzen der Teenager. In Bild und Text erzählen die Bücher aus dem Leben eines Mädchens. Oder besser: Sie schildern das Leben aus der Perspektive Esthers als zehn-, elf-, zwölf- und nun auch als 13-jährige. Was für ein Projekt und welch eine Herausforderung! Vor dem Hintergrund, dass das Vorhaben einen Zeitraum von zehn Jahren umfasst, stellt sich sofort die Frage, was Esther erleben, denken und fühlen wird, wenn sie 20 Jahre alt ist. Stopp! So weit sind wir noch nicht. „Wir“ meint in diesem Fall Riad Sattouf und Esther A., zwei Menschen, die im Gespräch und an der Welt interessiert sind – unabhängig von Alter, Herkunft und Kultur. „Die Erzählungen in ‚Esthers Tagebücher‘ basieren auf wahren Erlebnissen und Gedanken eines jungen Mädchens aus Riad Sattoufs Bekanntenkreis“, heißt es auf der letzten Seite. Im Klappentext wird die Kooperation besiegelt, denn Esther kommt zu Wort: „Ich heiße Esther und bin 13 Jahre alt. Es gibt mich wirklich und ich erzähle dem Zeichner Riad Sattouf Geschichten aus meinem Leben…“ Riad Sattouf zeichnet, was er von Esther […]
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Ins Museum!

Über die Museumskarten von Kirsten Winderlich und Mark Lammert Text: Helen Naujoks Fotos: Stefanie Johns Sind es Objekte? Gute Frage. Das weiß ich gar nicht so genau. Unter Objekt habe ich mir noch nie eine Museumskarte vorgestellt. Was aber ist es, wenn es kein Objekt ist? Diese Museumskarte ist auf jeden Fall ein Stück Papier, das gut in der Hand liegt und eine raffinierte Faltung hat. Sie gibt erste Hinweise darauf, was sich darin verbergen könnte ohne gänzlich zu verraten, was genau es ist. Dieses gefaltete Papier funktioniert ein bisschen wie eine Schatztruhe, in deren Schloss schon der Schlüssel steckt, der nur noch umgedreht werden will. Oder wie ein Blick durchs Schlüsselloch selbst, der einen Ausschnitt umreißt, aber eben nicht alles zeigt. Die Karte macht neugierig und möchte entschlüsselt und aufgefaltet werden. Ohne zu viel nachzudenken, lande ich zuerst auf der farbigen Seite und lese die rote, handschriftlich verfasste Beschreibung der Lieblingsfigur einer Person. »Wer ist diese Person, die über ihre Lieblingsfigur schreibt?«, frage ich mich. Sie mag wohl jemand sein, die sich Zeit genommen hat, eine Widmung oder besser eine Liebeserklärung an ein Objekt zu verfassen. Deshalb vielleicht auch die rote Schrift. Ich tauche ein in einen intimen Moment […]
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Einer von vielen? Zur Geschichte eines Kanarienvogels

»189« von Dieter Böge und Elsa Klever (Ill.) Text: Kirsten Winderlich Fotos: Elisa Bauer Die Bilderbuchwerkstatt der grund_schule der künste musste angesichts der Maßnahmen gegen Covid-19 per Videokonferenz im sogenannten »Home Office« stattfinden. Um so mehr danke ich Ada, Ida, Lucie, Una und Vicco für das gemeinsame Betrachten des Bilderbuches, das mir unverzichtbare Zugänge geschenkt hat. »Dies ist die Geschichte einer langen Reise, aber ich werde sie so kurz wie möglich erzählen, weil das Ende ganz schön ist.« Mit diesen Worten setzt die Bilderbuchgeschichte von Dieter Böge und Elsa Klever ein und verführt uns, sofort die letzten Seiten aufzuschlagen und von hinten zu beginnen! Am Ende des Buches entdecken wir eine Doppelseite Kanarienvögel. Sind es wirklich 189 Stück? Und jeder Vogel ein Unikat? Nach wiederholter und eingehender Betrachtung ist kein doppeltes Exemplar zu entdecken. Und selbst wenn sich eine Kopie andeutet, ist diese Anmutung schnell entkräftet. Das Gefieder, die Haltung, der Blick – immer ein Hauch anders. Blättern wir weiter zurück, stöbern wir in einem sogenannten Kanarienvogelgeschichtlichen Nachwort. Diesem Begriff muss man erst einmal nachspüren. Auf alle Fälle wird nach dem Lesen und Betrachten des Nachwortes klar, dass Kanarienvögel es verdient haben, gewürdigt zu werden. Was für eine Geschichte und […]
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Vom Aufbrechen und Ankommen

Der Gipfelstürmer von Pierre Zensius Text: Kirsten Winderlich Fotos: Elisa Bauer Es gibt Menschen, die sich leidenschaftlich mit einem Wunsch oder einem Projekt verbunden fühlen und dabei nicht müde werden ihren Traum zu realisieren. So jemand war auch Horace Bénédict de Saussure, ein Schweizer Naturforscher und Geologe des 18. Jahrhunderts, von dem das Bilderbuch »Der Gipfelstürmer« erzählt. Er wollte den Mont Blanc, den höchsten Berg der Alpen, besteigen und war von dieser Idee wie besessen. In seinen Schriften, dem »Journal de l’ascension du Mont Blanc« sowie den »Voyages dans les Alpes« hält er seine Expeditionen zum Gipfel fest. Sie sind die Grundlage für das Bilderbuch des französischen Animations-Künstlers Pierre Zensius, in dem er die Geschichte der Erstbesteigung des »weißen Giganten« im Jahr 1787 brilliant in Bild und Text festhält und diese dabei durch humoreske und absurde Einlassungen jenseits einer Mythifizierung Saussures erzählt. So werden die an der Expedition beteiligten Alpinisten, laut Vorwort 18 an der Zahl, sowie dem berühmten Jacques Balmat, unter dessen Führung Saussure die Expedition durchführte, als Hofstaat karikiert. Dann können wir gleich auf der ersten Seite noch einen Hund entdecken, der die Expeditionsgruppe begleitet. Nichts an Kleidung und Equipment erinnert an eine professionelle alpine Expedition. Vielmehr werden […]
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Das Leben leben

Das Leben leben Zum „Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ * Text: Kirsten Winderlich Fotos: Elisa Bauer Was heißt es, auf die Welt zu kommen, auf der Welt zu sein? Was bedeutet es, das Leben zu leben? In dem Bilderbuch von Rébecca Dautremer entfaltet sich vor uns ein Leben, das es wert ist, erzählt zu werden, wie die Autorin und Illustratorin in ihrem Prolog an die Kinder schreibt. Was aber macht jemanden aus, dessen Leben sich zu erzählen lohnt? Handelt es sich um jemanden, die oder der sich auf besondere Weise hervorgetan und verdient gemacht oder der Nachwelt einen Schatz hinterlassen hat, ein Kunstwerk beispielsweise? Rébecca Dautremer hilft uns bei der Suche nach Antworten mit zwölf Bildszenen, neun Porträts und drei Bildersammlungen, die sie kunstvoll zur Lebensgeschichte des kaninchenartigen Wesens Jacominus Gainsborough verknüpft. Die Zeichnungen auf dem Vorsatzpapier am Anfang wie am Ende des Buches machen deutlich, dass zum Leben eines einzelnen Wesens immer auch die anderen gehören. So entdecken wir in den Bildern Jacominus inmitten einer kleinen Gesellschaft von Mischwesen mit Tierköpfen und menschlichen Körpern, inmitten von Kindern und Erwachsenen, Familienmitgliedern und Freunden. Wo sein Platz in dieser Gesellschaft und später in der Welt sein wird, ist zu Beginn des Buches […]
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Zusammenkunft in den Dünen

Zusammenkunft in den Dünen Zum Bilderbuch „Der kleine Fuchs“ von Edward van de Vendel und Marije Tolman (Ill.)* Text: Kirsten Winderlich Fotos: Elisa Bauer „Guck mal, ich hab auch einen Fuchs!“ Stolz zeigt das Mädchen auf ihren Fuß. Tatsächlich ist das Motiv ihrer Socke dem Held der Bilderbuchgeschichte von Edward van de Vendel und Marije Tolman sehr ähnlich. Zuhause in einer Dünenlandschaft am Meer, die gleich mehrere an der Bilderbuchbesprechung beteiligten Kinder als Nordsee identifizieren, spielt der junge Fuchs inmitten von Möwen, Austernfischern und anderen Küstenvögeln am Strand. Die Kinder bemerken, dass der Fuchs einen Kormoran nachahmt. Er wolle auch fliegen, sind sie fester Überzeugung. Der Fuchs wagt sich schließlich in den angrenzenden Kiefernwald vor und trifft dort auf andere Tiere. Neugierig blickt der Protagonist auf ein Rotkehlchen. „Er will es nur kennenlernen und nicht fressen“, interpretiert ein Junge die Körperhaltung des Tieres. Auf den Folgeseiten entdeckt der Fuchs zwei Schmetterlinge, denen er zurück in die Dünen folgt. Nach fünf doppelseitigen Dünenlandschaftsbildern ohne Text wird die schriftliche Erzählung am oberen Rand der linken Buchseite initiiert. Und wir erfahren den profanen wie gleichzeitig auch erstaunlichen Grund für die Aufnahme der Verfolgung der Falter: Sie sind lilafarben! Die flatternden Farbtupfer sind es […]
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Ein Kind verschwindet

Jens Thieles neues Bilderbuch brilliert mit einem Tabuthema: Ein Kind verschwindet. Text: Kirsten Winderlich Der erste Gedanke: Was für eine Katastrophe! Sofort denken wir an Kinder, die plötzlich und unerwartet einfach nicht mehr da sind und von denen Angehörige nie mehr etwas erfahren werden. Wurden sie entführt? Sind sie noch am Leben? Oder sind sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Neben diesen bedrückenden Szenarien gibt es auch positive Beweggründe für das Verschwinden eines Kindes, entwicklungspsychologisch begründete und damit das Kind auch stärkende. Wer kennt den Wunsch nicht aus seiner eigenen Kindheit, einfach einmal weg zu sein, aus Abenteuerlust in die Welt zu gehen, sich dabei zu spüren oder einfach an einem anderen Ort als zu Hause zu sein? Das Fort-Gehen und Fort-Sein kann demnach auch als aus dem Inneren motivierte Lust an der Auseinandersetzung mit dem Anderen und Fremden verstanden werden, als Herausforderung, an der Kinder wachsen, wachsen wollen. Und genau an dieser Schnittstelle bewegt sich Jens Thieles neues Bilderbuch: zwischen der Sehnsucht von Kindern, woanders zu sein, und dem gleichzeitig auch als verunsichernd oder gar beängstigend und bedrohend erlebten Zustand, während der geschützte Raum des gewohnten Alltags – das Zuhause – verlassen wird. Um diese zerbrechlichen Übergänge zwischen innerem […]
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Mein Buch — Rezension

Fotos: Elisa Bauer Text: Jens Thiele Bilderbücher, die ihre Adressaten aus der Rezeptionshaltung heraus­locken und zur aktiven Gestaltung motivieren wollen, haben es auf dem Buchmarkt traditionell schwer. Sie werden oft in die Sach- und Spielbuchecke gedrängt. Einen ähnlich schweren Stand haben Bilderbücher, deren Illustrationen von Kindern und nicht von professionellen Illustratoren angefertigt werden; auch sie sind auf dem Markt nicht nachgefragt, wie zahlreiche Versuche belegen. Mit diesen beiden Hypotheken geht Mein Buch an den Start, ein Projekt, das in der grund_schule der künste an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit wamiki entwickelt wurde. Es geht um einen offenen, kreativen Umgang mit Sprache und Bildern, mit Buchstaben, Wörtern und Bildzeichen. Es geht um Zugänge zur Bildung durch eigene Erfahrungen mit dem Erzählen von Geschichten. Was zunächst nach einem Lernlesebuch für die Grundschule klingt, ist tatsächlich etwas grundlegend Anderes. Das wird schon am Design deutlich: Man öffnet nicht ein Buch, sondern eine Pappschachtel, in der drei Hefte sowie zwei dicke Buntstifte liegen, ergänzt durch einen Stapel leerer Buchseiten. Heft 1 bietet Ansätze von Geschichten, überwiegend in Bildern erzählt, die Kinder angefertigt haben. Diese Geschichtsanfänge können weitererzählt oder umgedeutet werden, durch eigene Zeichnungen auf freien Heftseiten oder durch Hineinzeichnen in vorhandene […]
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