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Wer bin ich? Erinnerungen… – Das Notizbuch des Zeichners

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Text: Kirsten Winderlich

Der Bilderbuchkünstler Mohammed Mohieddin Mussa Ellabad lässt uns mit seiner Sammlung von Andenken an vergangene Zeiten und entsprechende Notizen und Tagebucheinträge Anteil an seiner Kultur und Biografie nehmen. Er bedient sich hierbei der Kartografie im Sinne von Mappingverfahren und reflektiert mittels Collagen aus Texten, verfasst in arabischen Schriftzeichen, Illustrationen, Fotografien und Postkarten seine Kindheitserinnerungen. Mit diesem ästhetisch forschenden Vorgehen lädt er uns ein, mit ihm über den Alltag und die Kultur seiner Heimat zu philosophieren. Dass es sich um eine für die Leser der sogenannten westlichen Welt fremde Kultur handelt, wird durch die Handhabung der Leserichtung bereits in der Buchgestaltung berücksichtigt. Das Bilderbuch ist so gebunden, dass wir es von hinten nach vorn – oder besser: von rechts nach links – durchblättern. Ein „Durchfahrt-Verboten-Schild“ auf dem vorderen Buchdeckel weist darauf hin, dass das Buch nicht in der gewohnten Weise zu lesen und zu betrachten ist. Gehen wir der gewünschten Leserichtung nach, geben die einzelnen Mappings nicht nur Auskunft über Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen, Einblicke in den Alltag und das Aufwachsen in der Kultur Ägyptens, sondern erzählen auch die Lebensgeschichte Mohieddin Ellabads, seine ästhetische Bildungsbiografie gewissermaßen: Sie berichten über seine Sammelleidenschaft, seine frühe Lust am Lesen und Schreiben, sein Interesse an unterschiedlichen Bildern und Dingen, die intensiven (Natur-) Erlebnisse, seine Neugier und sein Interesse an scheinbar Nebensächlichem. Gerade durch diese biografischen Momente werden wir, unabhängig von Herkunft und Kultur, an viele Dinge erinnert, die uns vertraut sind, und erkennen Gemeinsamkeiten der Kulturen.

Anregungen für eine erweiterte ästhetische Rezeption des Bilderbuches

Impuls — Erinnerungen mappen (Jahrgangsstufe 3 bis 6)

– Sammelt Dinge, wie zum Beispiel Gegenstände, Bilder, Bücher, Briefe, die euch besonders wichtig sind und bringt sie in die Schule mit.

– In der Schule: Legt eure Sammlung von Dingen auf dem Boden aus. Wenn ihr wollt, könnt ihr ein Bild aus den Dingen gestalten.

– Die Kinder werden aufgefordert, die einzelnen Sammlungen gemeinsam zu betrachten: Was hast du für Dinge mitgebracht? Magst du uns über deine Sammlung berichten? Wir sind sehr gespannt!

– Die Kinder erhalten die Möglichkeit, ihre Dinge in Form eines (Buch-)Ob­jektes zu arrangieren und zu archivieren (unterschiedliche Papier- und Pappformate, Kisten, Archivierungssysteme, wie zum Beispiel Briefmarkenalbenseiten, Rezepthüllen u. ä., Bindematerial, Klebstoff)

– Die Dinge, die ihr mitgebracht habt, sind für jede, für jeden von euch mit ganz besonderen Erinnerungen verbunden. Damit ihr eure Sammlung auch zu Hause euren Familien und euren Freunden zeigen könnt, wollen wir für eure Sammlungen besondere Bücher bauen. Präsentation der unterschiedlichen „Buchbaumöglichkeiten“ bzw. Archivierungssysteme.

Erfahrungsraum: persönliche Sammlungen als Hervorlocken von Erinnerungen; Mapping als Erzählraum
Material: persönliche Sammlungen, Bilder und Buchobjekte im weitesten Sinne aus Sammlungsgegenständen
Raum: der Fußboden als Träger von Bildern im weitesten Sinne; Entgrenzung des Objekthaften von Büchern
(Sprach)Handlung: die transformierte Sammlung als Bild auf dem Boden wie auch als Buchobjekt im erweiterten Sinne als Erzählanlass bzw. als Anlass über Erinnerungen zu sprechen

Bilderbuch:
Ellabad, M.: Das Notizbuch des Zeichners. NordSüdVerlag (Reihe Baobab), Zürich 2008