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Schaut, ein Elefant!

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Schaut, ein Elefant!
Oder: Über Teilhabe durch Transformation

Text: Kirsten Winderlich
Repros: Elisa Bauer
Fotos: Sophia Ashraf, Elisa Bauer, Helen Naujoks

Was für ein Elefanten-Tier: Königsblau, große offen-wachsame Ohren und rührend weiße Mini-Murmel-Augen! Und wie akrobatisch biegsam der scherenschnittartige Körper ist! Liegt es daran, dass auch der Rüssel sich als Spielbein outet? Also schaut dem Elefanten zu! Als ihm die Tränen nur so kullern, bemerken wir erst, dass er in einem Zirkus eingesperrt ist. Wir schauen dem Illustrator Jakub Plachý dabei zu, wie er ihm hilft, aus dem Käfig zu entkommen, und für diesen Akt Strich für Strich die Gitterstäbe wegradiert. Dann folgt der Einzug auf das Fußballfeld. Spielt der Elefant doch so gerne mit dem Ball: Mal hält er ihn zwischen den Beinen, mal übernimmt sein Rüssel die Ballkontrolle, ein anderes Mal übt er sich im Kopfball. Im Stadion erwartet ihn schon seine Mannschaft, alles Elefanten und alle braun koloriert, aber ebenso beweglich wie er. Am Anfang scheint alles gut zu laufen, der königsblaue Elefant wird eingewechselt, brilliert durch einen beachtlichen Pass und glänzt im Abspiel. Aber dann … Er bremst ab. »… Das Spielfeld ist einfach zu groß für ihn«. Während die Spieler sich beraten, robbt sich der königsblaue Elefant zielgerichtet ins Tor. Und dann ist allen »sonnenklar! Dieser Spieler gehört ins Tor!«, trompeten die Mitspieler. Und so ist es dann auch: In Höhe, Breite und Diagonale füllt der Elefant das gesamte Tor, hält jeden Ball und verhilft seiner Mannschaft auf diese Weise auf das Siegerpodest, wie die letzte Szene als gerahmtes ›Bild im Bild‹ erzählt. »Das ist Fußball!« kündigt eine Seite zuvor bereits den Triumpf an: Ein Miteinander, das sich durch Dynamik, Hochleistung und Wettkampfgeist auszeichnet. Jakub Plachý versteht dieses mit seinen minimalistischen wie tänzerischen Figuren-Sequenzen meisterhaft ins Bild zu setzen und mit wenigen Strichen Tiefe zu verleihen. Der Text geht dabei durch seine auktoriale Erzählperspektive, die in der zweiten Hälfte im Duktus eines Fußballkommentators an Stimme gewinnt, in ein lebendiges Wechselspiel mit dem Bild. Eine Steigerung erfährt dieses schließlich durch die Schrift, die der Illustrator und gelernte Schildermaler per Handlettering realisiert. Wie eine lateinische Ausgangschrift anmutend, nimmt diese durch die zahlreichen Schleifen an Fahrt auf und setzt der spannungsgeladenen Bilderbuchgeschichte eine Krone auf. Also schaut euch an, wie ein Elefant ausbricht, um teilzuhaben und dabei zu sein. Es lohnt sich!

Jakub Plachý
Schaut, ein Elefant!
Übersetzt aus dem Tschechischen von Katharina Hinderer
Rotopol 2025,
36 Seiten,
Hardcover, 14,5 x 12,5 cm,
gedruckt in zwei Sonderfarben
ISBN: 978-3964510624
€ (D): 12 / € (A): 12,95 / CHF: 15,40

Anregungen zur erweiterten ästhetischen Rezeption

Das Bilderbuch »Schaut, ein Elephant« arbeitet mit der Beweglichkeit und Formbarkeit einer Fantasiefigur eines Elefanten. Die monochrome Gestaltung dieser regt dabei an, sich zu dehnen, zu biegen und dabei mit Arm- und Beinbewegungen den Raum zu vermessen und eigene Figuren zu entwickeln. Um sich in das Körperteil des Rüssels einzufühlen, haben die Kinder die Gelegenheit, in königsblau gefärbte Nylonstrumpfhosen zu schlüpfen und sich vor Spiegeln auszuprobieren. Impulse für Bewegungserfindungen könnten z.B. folgende sein: »Krabble auf vier Beinen und schaue dabei an die Decke«, »Stolziere auf Zehnspitzen und mit hocherhobener Nase oder Rüssel durch den Raum«, »Stampfe mit weitem Schritt auf der Stelle und kreise dabei deinen Arm oder Rüssel, als würdest du ein Lasso werfen.« Sofortbildfotos von ausgewählten Figuren dienen als Vorlage, diese zu zeichnen. Als Ausblick könnten alle Zeichnungen in einer Figuren-Spielformation collagiert werden.